Haselburgfest 2015
 
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Jetzt  ist Sommer! Zumindest offizieller Sommeranfang. Sonntag, 21. Juni 2015, Abfahrt mit Gepäck aus dem Hessischen Ried um 8.30 Uhr bei leichtem Regen, 13° C.

Jetzt ist Sommer!

Egal, ob man schwitzt oder friert:

Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.

Es ist Sommer!

Ich hab das klargemacht:

Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.   (Song :Wise Guys)

Gut, dass wir unsere kelto-romanischen Wollklamotten anhaben. Da macht uns das nichts aus. Gut auch, dass wir bereits am Samstag die zwei Stände aufgebaut haben… Aber kaum sind wir dabei, auf der Haselburg, einer römischen VILLA RUSTICA im Odenwald bei Hummetroth / Höchst unsere Sachen auszupacken, hört auch schon der Regen auf. Graue Wolken – na ja, der Himmel wird uns schon nicht auf den Kopf fallen, da haben wir keine Angst, wir sind ja auch keine Kelten mehr! Außerdem:

Jetzt ist Sommer…. s.o.

Gut, dass der Förderverein der Haselburg dieses Jahr nur noch ernsthafte Gruppen zugelassen hat, die in die Römerzeit bis zum Anfang der Völkerwanderungszeit passen. Also keine Wikinger, keine Elfen….

Gut auch, dass wir bereits am Vortag unsere Runde gedreht haben und uns bei den vielen anderen Gruppen umgesehen haben, denn heute haben wir keine Zeit mehr dazu. Schon kommen die ersten Besucher, lassen sich über die römische Öllämpchenherstellung informieren, lassen ihre Kinder Anhänger bemalen, hören zu, wie das römische Schiff gebaut wurde und sich fahren lässt, lassen sich die Manuballista erklären und schauen beim Pfeilschießen zu oder probieren es selbst.

Gegen Mittag kommt dann sogar die Sonne raus, da wird es in unseren wollenen Gewändern muckelig. Ein Feuerchen wird angezündet, dann gibt es heiße Würstchen.

Jetzt ist Sommer!

Nachmittags gibt es einen noch größeren Ansturm. Viele interessierte Leute! Etliche Bekannte. Da kommt auch ein älterer Herr, der beim Gespräch über römische Öllämpchen plötzlich eine echte Lampe aus der Jackentasche holt und sie mir stolz zeigt. Er hatte sie vor Jahrzehnten in der Türkei gekauft. Wenn er heute damit an der Grenze erwischt worden wäre, o je! Und da ist noch ein Archäologe, der erstaunt ist, dass wir eine Nachbildung eines römischen Gießers in Form eines römischen Schiffchens mit Rammsporn im Programm haben, dessen Original im Britischen Museum in London zu sehen ist.
Er kauft eines und erzählt mir dann:

Dieses Schiffchen wurde bereits vor über 200 Jahren in London gefunden. Damals suchten viele ärmere Leute im Uferschlamm der Themse bei Ebbe (der Tidenhub beträgt dort immerhin 7m!) nach römischen Hinterlassenschaften und verkauften diese an reiche Londoner. Diese „Schlammgräber“ haben den Spitznamen „Mudlark“ = Schlammschwalbe. Die „Bessere Gesellschaft“ war damals ganz wild nach römischen Antiquitäten und römischer Lebensart. Aus diesem Grund wurde auch das kleine Keramikschiffchen als Serie nachgefertigt und stand Anfang des 19. Jahrhunderts auf vielen Tafeln neben erlesenem Geschirr als Salzbehälter.

200 Jahre später entdeckte der schiffsbegeisterte Daniel Usher (Mit-Bootsbauer der AEGINA) im British Museum in London genau dieses Schiffchen und fotografierte es. Ich (Brigitte Schmidt) machte dazu eine Gipsform und daraus mehrere Abformungen, die man nun auf den Aktionstagen des „collegium transrhenanum“ kaufen kann.

Wer hätte das gedacht? Als wir dann – schon ziemlich müde – alles wieder einpacken, kommt doch noch mal ein Regenguss, so dass wir die Zeltplanen nachtrocknen müssen. Das hätten wir jetzt eigentlich nicht gebraucht.

Es ist Sommer!

Ich hab das klar gemacht:

Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.

 

Text: Brigitte Schmidt
Fotos: Peter Schmidt
 
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