Geländeprospektion Weilerhügel
 
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Der ausführliche Bericht der geophysikalischen Untersuchung durch terraplana wurde veröffentlicht im Jahrbuch der hessenARCHÄOLOGIE 2015 S. 140 ff durch Jörg Lotter und Martin Posselt M.A.

Die Ergebnisse werden hier kurz zusammengefasst:

Das ganze, grob dreieckige Vorburggebiet war um etwa 1m über das umgebene Gebiet erhöht und durch einen Wassergraben geschützt. Mit Hilfe von Bodenradar konnten innerhalb des Geländes gleichmäßig breite lineare Strukturen erfasst werden, die wahrscheinlich Fundamente einer mittelalterlichen steinernen Burgbebauung sind. Es könnten allerdings an deren Stelle auch Ausbruchgräben, gefüllt mit Mörtelresten und Schutt sein, denn im steinlosen Ried wurden ungenutzte Gebäude immer „recycelt“. In den Bodenradaraufnahmen erkennt man einen äußeren Mauerring, an den innen mehrere Gebäude lückenlos angebaut waren, so dass innen ein fast dreieckiger Burghof entstand. Im Norden war eine zweite Mauer vorgelagert, so dass es sich dort um einen Zwinger oder eine Stützmauer gehandelt hat. Die größten Unklarheiten sind an der süd-westlichen Seite zu erkennen. Vielleicht befand sich hier ein Torhaus, der Haupteingang zum Burghof. Auf der gegenüber liegenden Seite muss es zumindest noch ein Ausfalltor gegeben haben mit einem wohl hölzernen Steg, der auf die Hochmotte zur Turmhügelburg führte.

Allein durch Bodenradar kann nicht geklärt werden, welche Aufgaben die einzelnen Hausgrundrisse hatten. Wir können also nicht sagen, wo sich das Herrenhaus, der Palas, die Wirtschaftsgebäude oder die urkundlich erwähnte Kapelle befanden. Wir wissen auch nichts über die Höhe der einzelnen Häuser bzw. der Außenmauer.

Jörg Lotter hat aufgrund des Bodenradars ein Modell (1: 160) gebaut, das im „Museum in der Anstalt“ in Alsbach – Hähnlein zu bewundern ist. Es zeigt die Burg, wie sie gewesen sein könnte. Vorbilder für das Modell waren Gebäude und Burgen, die aus der gleichen Zeit (Ende des 12. Jahrhunderts) noch erhalten sind. Diese Gebäude haben einen gemauerten Steinsockel, auf dem dann Fachwerk ruhte.

Modell Weilerhügel von Jörg Lotter

Links: Die Vorburg, rechts die Hochmotte (Turmhügelburg), umgeben von 2 – 3 Wassergräben

Niederungsburgen hatten meistens im 11. Jahrhundert Vorgängerburgen aus Holz oder Fachwerk (ohne Steinfundament). Es gab keine Mauer, sondern eine Holzpalisade. Die einzelnen Häuser waren nicht an die Palisade angelehnt, sondern standen einzeln inmitten der Umwehrung.

Es ist denkbar, dass auch die Vorburg des Weilerhügels ursprünglich ein solches Aussehen hatte, doch Holzreste im Boden sind oft schlecht nachweisbar, jedenfalls nicht mit der Georadarmethode, die terraplana 2013 anwendete.

Text: Brigitte Schmidt

Foto: Jörg Lotter

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