Nachbau des Typs Zwammerdam III
 
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Idee und Ausführung:
terraplana-Mitglieder Jörg Lotter und Daniel Usher
 
Das Original:
Zwammerdam III“ zählt zu den kleineren Frachtschiffen der römischen Provinzen nördlich der Alpen. Diese sicherten den Warenverkehr auf den ruhig dahinfließenden Seitenarmen der großen Ströme ähnlich des heutigen Landgrabens bei Groß-Gerau. Das noch über 10 m erhaltene Original aus Eichenholz und Weißtanne wurde in unmittelbarer Nähe zu dem römischen Truppenlager in Zwammerdam / NL (Nigrum Pullum) während der Ausgrabungskampagne der Jahre 1968 - 1974 entdeckt. Es setzt sich aus einem mit Spanten verstärkten, trogartig ausgehöhltem Baumstamm (Eiche) und einem Setzbord (Weißtanne) zusammen. Aufgrund der Fundzusammenhänge ist eine Datierung des Kahns zwischen 150 und 225 n. Chr. anzunehmen.
 
Die Idee:
Schifffahrtbegeisterte Mitglieder unseres Vereins „terraplana - Gesellschaft für Archäologie im Hessischen Ried e.V.“ entwickelten im Sommer 2007 die Idee, ein römisches Lastenschiff vom Typ „Zwammerdam III“ nachzubauen und damit auf dem Landgraben bis zum Rhein zu staken.
Der Nachbau:
Im September 2008 startete das Projekt unter Federführung von Jörg Lotter und Daniel Usher. Als Bauholz diente Pappel für den Grundkörper (Einbaum), Eiche (Innenausbau und Ruder), Kiefer (Oberbord), Fichte (Mast,
Rahe) und Robinie (Spanten). Ca. 100 Nägel aus Eisen wurden selbst geschmiedet, Hölzer über offenem Feuer gebogen, Spalten mit Hanf und Rindenbast abgedichtet. Ein Segel aus grobem Leinen, Stakenhölzer aus Fichte, und Holzpech zum Abdichten des Schiffsbodens kamen zum Einsatz. Der Nachbau ist 6,60 Meter lang und wiegt je nach Ausrüstung zwischen 250 und 300 kg. Für die Realisierung waren 300 Stunden Arbeitseinsatz nötig. Bis auf wenige Ausnahmen wurden ausschließlich Werkzeuge verwendet, die in ähnlicher Form auch römischen Schiffsbauern zur Verfügung standen.
Die Bootstaufe:
Am 18. April 2009 um 15 Uhr stach die neue „Zwammerdam III“ erstmals zu See. In einem kleinen Fischweiher konnte die Funktionalität schnell bewiesen werden. Vier Menschen und ein Hund konnten bequem in dem Boot Platz nehmen, welches mit Rudern leicht zu dirigieren ist. Auch der Segeltest gelang: Das Boot gleitet mit Leichtigkeit in die richtige Richtung. Experiment gelungen!
Der Einsatz:
Mit schweren Lasten bepackt kann mit der neuen „Zwammerdam III“ während diverser Präsentationen von terraplana auf Gewässern der Region der interessierten Öffentlichkeit gezeigt werden, auf welche Weise in römischer Zeit Waren zu Wasser transportiert wurden. Dabei sollen alle Antriebsarten, die einem Frachtkahn wie der „Zwammerdam III“ aus archäologischer Sicht zugesprochen werden, im Experiment getestet werden: wir Rudern, Paddeln, Staken, Treideln und Segeln…
 
Literaturhinweis:
M.D. de Weerd, Schepen voor Zwammerdam. Academisch Proefschrift Universiteit van Amsterdam (Amsterdam 1988) 69 ff., 305 f.
Text: Miriam Fricke
Fotos: Petra Pettmann, Daniel Usher, Jörg Lotter
 
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