Viele Projekte von terraplana und seinen Mitgliedern befassen sich mit der römischen Zeit im Hessischen Ried. Diese lässt sich grob in folgende Phasen einteilen:

 

Phase 1: 13 v. Chr. bis 16 n. Chr.: Erste Eroberungsversuche

Nach der Eroberung des zentralen Alpenraums und des nördlichen Alpenvorlandes im Jahr 15 v. Chr. ließ Kaiser Augustus (27 v. Chr.-14 n. Chr.) seine Legionen und Hilfstruppen an den Rhein verlegen und begann ab 12/11 v. Chr. mit großen Militärexpeditionen in Germanien zwischen Rhein und Elbe. Diese Phase dauerte bis zum geplanten Markomannenfeldzug im Jahr 6 n. Chr. an, als sich Rom der Unterdrückung eines gewaltigen Aufstands in Pannonien und Dalmatien widmen musste. 

Durch die verheerende Niederlage des Varus im Teutoburger Wald 9 n. Chr.  kam es zu einer Aufgabe der Okkupation von Germanien. In den Jahren 14 bis 16 n.Chr. führte Germanicus bis 16 n. Chr., ausgehend von den großen Legionsstützpunkten in Mainz und Xanthen, Feldzüge ins Innere Germaniens, um die Varus-Niederlage zu rächen. Trotz einiger Erfolge waren der Aufwand für diese Expeditionen und die Verluste auf Seiten Roms so groß, dass Kaiser Tiberius 16 n. Chr. entschied, dass der Rhein zukünftig die Außengrenze Roms bilden und sich das Militär in die Lager auf der linken Rheinseite zurückziehen solle.

terraplana-Aktivitäten:

Feldbegehung Stockstadt am Rhein, August 2020

Feldbegehung Trebur-Geinsheim, November 2009

 

Phase 2: 39 bis 70 n. Chr.: Dauerhafte römische Kontrolle

Im Jahr 39 n. Chr. zog Kaiser Caligula (37-41 n. Chr.) mit einer großen Truppenanzahl nach Mainz, um eine Verschwörung niederzuschlagen und sich durch einen Feldzug gegen die Germanen zu profilieren. In dieser Zeit wurden viele Militärlager wiederbesetzt oder neu errichtet.

Unterbrochen wurde diese Phase 69/70 n. Chr. durch den Bataveraufstand. Dieser Aufstand führte auch in der Wetterau und dem Hessischen Ried zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, bei denen viele Militärlager zustört und aufgegeben wurden.

terraplana-Aktivitäten:

Geophysik und Feldbegehung bei Groß-Rohrheim, Februar 2021

Geophysik und Feldbegehung bei Groß-Rohrheim, September 2020

 

Phase 3: 74 bis 110: Neue Provinzen für das "Imperium Romanum"

Ab 74 n. Chr. wurden die Wetterau, die östlichen Teile der Oberrheinebene sowie das obere Neckargebiet erneut militärisch besetzt. Die wichtige Strecke verlief in unserer Region von Mainz über die Kastellstandorte Groß-Gerau, Gernsheim und Ladenburg nach Heidelberg. Bei diesen militärischen Maßnahmen blieb es jedoch nicht. Schon zehn Jahre später führte Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.) Truppen in groß angelegten Kampagnen (83/85 n. Chr.) ins heutige Mittel- und Nordhessen gegen den Stamm der Chatten. In diese Phase fällt um 86 n. Chr. die Gründung der Provinz Germania Superior (Obergermanien) durch Kaiser Domitian. Hierdurch wurde der Militärbezirk, der seit frühaugusteischer Zeit bestand, in eine reguläre römische Provinz mit eigenem Rechtsstatus umgewandelt. In dieser Zeit wurden auch die ersten Römerstraßen gebaut.

Mit der Errichtung des Odenwaldlimes um 110 n. Chr. war die römische Eroberung des Hessischen Ried abgeschlossen. Die hier stationierten Truppe wurden abgezogen und an die neue Grenze verlegt.

terraplana-Aktivitäten:

Ausstellung "Die frühe römische Okkupation des hessischen Rieds"

Ausgrabung an der Römerstraße Gernsheim-Dieburg, August/September 2007

 

Phase 4: 110 bis 260: Das Hessische Ried als Römische Provinz

Nach Abzug dem Truppenabzug entwickelte sich das Ried zu einer normalen römischen Prozinz. Es entstanden Zivilsiedlungen, u.a. in Groß-Gerau und Gernsheim. Der ländliche Raum wurde durch eine Vielzahl römischer Landgüter, sogenannter Villae Rusticae erschlossen. Dieser Zustand relativer Ruhe hatte bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts bestand.

terraplana-Aktivitäten:

Vortrag Felix Kotzur M.A.: Praktik der Metallgefäßbeigabe in Gräbern der römischen Kaiserzeit, 12.04.2019

 

Phase 5: 260 bis 406/407: Das Hessiche Ried als Vorfeld der Rheingrenze

Ab der Mitte des 3. Jahrhundert drangen verstärkt germanische Gruppen in die nordöstlichen Provinzen des römischen Reiches ein. Nach dem sogenannten Alemannensturm von 260 wurde der Limes aufgegeben und die Grenze des römischen Reiches an den Rhein zurückverlegt.

Jedoch hat das römische Reich die Kontrolle der rechtsrheinischen Gebiete nicht vollständig aufgegeben. Davon zeugen die Schiffländeburgi entlang von Rhein und Neckar. Auch der römische Steinbruch Lautertal / Odenwald ( Felsenmeer ) lieferte noch bis in 4. Jahrhundert Steine für die Prachtbauten des Imperiums.