War der „Landgraben“ eine römische Wasserstraße?

Mit einem öffentlichen Festvortrag hat terraplana - Gesellschaft für Archäologie im Hessischen Ried e.V. am Freitag, 7. November, sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Der Verein, im Jahr 2005 von einer Gruppe Doktoranden und Studierender der Archäologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main um Thomas Maurer und Petra Pettmann gegründet, konnte sich über einen großen Zuspruch freuen: Der Saal im Alten Rathaus in Crumstadt war mit gut 80 Interessierten sehr gut besucht, wer zu spät kam, musste mit einem Stehplatz Vorlieb nehmen.
Im Fokus des Abends stand die spannende Frage, ob der Landgraben zwischen Groß-Gerau und Astheim nicht erst, wie lange angenommen, in der Frühen Neuzeit, sondern bereits von den Römern angelegt wurde. Referent war Henrik Leif Schäfer M.A. von der Goethe-Universität Frankfurt, der in seinem gut 45-minütigen Vortrag die Erkenntnisse seiner Doktorarbeit sowie den aktuellen Forschungsstand anhand zahlreicher Funde und Befunde präsentierte.
![]() |
![]() |
Schäfer berichtete von der intensiven Erforschung römischer Siedlungsplätze am Landgraben und zog schließlich das Fazit, dass der Graben bereits um die Zeitenwende angelegt wurde. Die Römer nutzten ihn zum Transport von Waren, die zum Beispiel vom Rhein in Richtung Groß-Gerau gebracht werden sollten. Dies füge der römischen Geschichte im hessischen Ried ein faszinierendes Kapitel hinzu, zumal es sich beim Landgraben damit offensichtlich um das älteste bekannte Bauwerk dieser Art handelt.
Die Erforschung des Landgrabens ist seit zwei Jahren Gegenstand eines interdisziplinären Projekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 370.000 Euro gefördert wird. Beteiligt sind neben der Goethe-Universität Frankfurt (Archäologie) auch die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Geografie) und die Christian-Albrechts-Universität Kiel (Geologie). Das Hessische Landesamt für Denkmalpflege Hessen, an diesem Abend vertreten durch den Ehrengast Dr. Thomas Becker, begleitet das Vorhaben. Die Fördermittel dienten der Finanzierung geophysikalischer Untersuchungen, Bohrungen und kleinerer archäologischer Ausgrabungen.
Terraplana unterstützt das Projekt von Anfang an sehr aktiv. Die Mitglieder des Vereins beteiligten sich vor allem durch Feldbegehungen auf dem Areal eines Römerlagers bei Trebur-Astheim. Anhand der dabei geborgenen Funde aus insgesamt 13 Nachforschungen auf einer Fläche von rund 13 Hektar konnte die Nutzung des Lagers relativ genau datiert werden. Bei der Jubiläumsfeier gewährte der Verein außerdem Einblick in seine Geschichte in Form von drei großen Wandtafeln, die einen Querschnitt der vielfältigen Aktivitäten der vergangenen 20 Jahre darstellten.
Im Anschluss an den Vortrag nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, sich intensiv auszutauschen, den Referenten zu befragen und auch die Exponate des Heimatmuseums in der ehemaligen Schule zu besichtigen.



